SeptemberOktober 2017
PROGRAMM

Donnerstag 14.09.17, 20.00 Uhr

Beuys
Andres Veiel, D 2017, 107 min

Joseph Beuys, der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke.
30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war
und immer noch ist. Als erster deutscher Künstler erhält er eine Einzelausstellung
im Guggenheim Museum in New York, während zu Hause sein Werk mehrheitlich noch als
„teuerster Sperrmüll aller Zeiten“ gilt. Gefragt, ob ihm solche Urteile gleichgültig seien,
sagt er: „Ja. Ich will das Bewusstsein der Menschen erweitern.“
Andres Veiel erteilt dem Künstler selbst das Wort. Aus zahlreichen bisher unerschlossenen
Bild- und Tondokumenten montiert er ein assoziatives, durchlässiges Porträt, das,
wie der Künstler selbst, eher Ideenräume öffnet als Statements verkündet. Beuys boxt,
parliert, doziert, erklärt dem toten Hasen die Kunst und fragt: „Wollen Sie eine Revolution
ohne Lachen machen?“ Doch man erlebt auch den Menschen, den Lehrer und Grünen-Kandidaten.
Einmal, kurz vor seinem Tod, lässt er sich auch ohne Hut fotografieren.
Die Widersprüche und Spannungsfelder, in denen Beuys’ Gesamtkunstwerk entstanden ist,
werden sichtbar. Sein erweiterter Kunstbegriff führte ihn mitten in bis heute relevante
gesellschaftliche, politische und moralische Debatten.

Besonders Wertvoll
Joseph Beuys: Künstler, Philosoph, Querdenker. Weltweit gilt der Mann, der 1986 verstorben ist,
als einer der bedeutendsten Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Installationen,
mit denen er den klassischen Kunstbegriff erweiterte, überraschte, forderte und reizte er
Publikum und Kritiker. Oftmals war er selbst Teil der Kunst und der Aktion.
Der Filmemacher Andres Veiel hat mit BEUYS ein Porträt des Künstlers geschaffen,
das in seinem Facettenreichtum einzigartig erscheint. Die sorgfältige Aufbereitung
des Archivmaterials lässt in jeder Minute des Films erkennen, mit wieviel Herzblut,
Leidenschaft und auch akribischer Genauigkeit Veiel hier vorgegangen ist. Veiel zeigt
viele Installationen und Aktionen, gibt den Aufnahmen den notwendigen Raum und
inszenatorisch oftmals einen anderen Rahmen, lässt Wegbegleiter, Journalisten und Kritiker
zu Wort kommen und ordnet Beuys' Werk in einen kunsthistorischen und gesellschaftlichen Kontext
ein. Denn, und auch das zeigt der Film, Beuys war nicht nur ein Künstler, er war auch und
immer ein politisch denkender Mensch. Die enge Verbindung zu der Partei "Die Grünen",
bei deren Gründung er aktiv involviert war und seine wiederkehrenden Reden,
in denen er die Kunst aufforderte, sie müsse sich ändern, erweitern, wachsen - all dies
lässt die Kunstikone Beuys zu einem mehrdimensionalen Charakter werden, dem sich
der Zuschauer auch menschlich nähern kann. Auf gleiche Weise zeigt der Film sowohl
die Radikalität des Künstlers als auch den Humor und die Wärme des Menschen Joseph Beuys,
der wiederholt von der Kunst forderte: "It has to be sensationally - always!".
BEUYS von Andres Veiel ist ein großartiger Dokumentarfilm und dazu ein vollständiges,
lehrreiches und respektvolles Porträt eines wichtigen Künstlers. Der immer auch
eine Sensation war.

Jurybegründung:
300 Stunden Video- und fast ebenso viel Audio-Material von und mit Joseph Beuys hat
Andres Veiel zu 107 spannenden, aufklärerischen und unterhaltsamen Minuten verdichtet.
Der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecken war ein Visionär, der seiner Zeit voraus war.
Er verweigerte sich einem isolierten Kunstbegriff, er vertrat die demokratische Idee,
alle Menschen seien Künstler, provozierte mit seinen Aktionen, prangerte den Geldhandel an,
mischte sich vehement in den politischen Diskurs ein. Sein Beitrag für die Documenta 1972
war "das Büro der direkten Demokratie", 1982 waren es die "7000 Eichen", die in Kassel
gepflanzt wurden und als Ideen Wurzeln schlagen sollten.
Das Archivmaterial wurde mit großer Sorgfalt restauriert, das alte Fotomaterial
tricktechnisch elegant in klare Rahmen gesetzt, wobei den Zuschauern genügend Zeit
gelassen wird, alte Fotos und ausgewählte Kunstaktionen wie "I like America, America likes me" (1974) in Ruhe zu betrachten. Beuys' Werdegang wird nicht als klassisches Biopic
sondern assoziativ erzählt, die Brüche in seinem Leben spielen dabei eine große Rolle.
Eine Meisterleistung ist die Bild- und Tonmontage von Andres Veiel und seinen
Cuttern Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer. Der Film zeigt alle Facetten von Beuys,
seine Schlagfertigkeit und seinen Humor, seine Lust an der Provokation,
sein Engagement und seine Depression und Verletzlichkeit. Man versteht die Bezauberung und Faszination, die von diesem Künstler ausging. BEUYS lässt zu 95 Prozent das Material sprechen,
die wenigen Stellen an denen Weggefährten zu Wort kommen, sind mit Bedacht gewählt,
auf einen erklärenden Text wird ganz verzichtet.

Die Jury war begeistert von dem innovativen Film, der unterhaltsam und leicht
zusammengesetzt ist und große Lust darauf macht, Beuys wieder und neu zu entdecken.
Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Info, Fotos und Trailer: http://beuys-der-film.de/index.php







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